Body
ANPROBE. Das Rennradtrikot spannte am Bauch, obwohl ich es angeblich erst kürzlich gekauft hatte; das Etikett erinnert sich vermutlich genauer. Auf dem Rad war die Sache weniger interessant. Gegenwind, warme Oberschenkel, die Hände endlich mit etwas anderem beschäftigt als einer Tastatur. Erst auf der Rückfahrt merkte ich, wie fest ich den Lenker gehalten hatte. Lockerte die Finger einzeln, nahm Tempo heraus und kam entsprechend später ins Café. Dort saß ich noch eine Weile mit offenem Reißverschluss und einem Glas Wasser. Der Körper hatte gearbeitet und wollte keine Beurteilung. Ich gab ihm trotzdem eine: brauchbar, stellenweise überarbeitet.
Emotion
KEINE KORREKTUR. Meine Tochter rief an, um von einem Abend mit Freunden zu erzählen. Es gab keinen Anlass, keinen Beratungsbedarf, nicht einmal ein Problem, das ich mit einem geistreichen Satz hätte verschlimmern können. Ich hörte sie lachen und war froh, dass sie ausgerechnet mich anrief. Nachher blieb ich mit dem Telefon am Fenster stehen, statt den Katalog wieder zu öffnen. Wenn ein Kunde so lange redet, denke ich an die Rechnung; bei ihr hätte es gern weitergehen dürfen. Ich schickte später noch eine Nachricht und löschte vor dem Absenden die kleine Pointe am Ende. Sie hätte den Satz besser gemacht, vielleicht. Die Nachricht nicht unbedingt.
Mind
SIEBEN WÖRTER. Ich habe eine halbe Stunde einen kurzen Satz umgestellt, bis er deutlich eleganter war und etwas anderes behauptete als beabsichtigt. Das passiert mir selten genug, um jedes Mal überrascht zu sein, und oft genug, um es nicht mehr auf den Kunden schieben zu können. Man hängt an einer Formulierung, weil sie gut klingt, und organisiert die Tatsachen darum herum. Beim fremden Text wäre ich sofort empört gewesen. Bei meinem suchte ich nach einer Begründung. Nun steht wieder die erste, etwas hölzerne Fassung da. Ich mag sie nicht. Sie sagt wenigstens, was die Arbeitsplatte tatsächlich kann, und die kann nun einmal keine neue Lebensphase einläuten.