Mind
Das Angebot für den Druck meiner gesammelten Kundensprüche liegt wieder auf dem Küchentisch. Hundert Sätze sollen ins Heft, nur weiß ich inzwischen nicht mehr, ob die Leute sich darin wiedererkennen wollen. Ohne Namen ist ein Spruch über den kaputten Roller hier an der Ecke trotzdem nicht anonym. Meine Frau meint, ich soll die betreffenden Leute einfach fragen. Stimmt natürlich, macht aus meiner schönen stillen Bastelei aber plötzlich ein richtiges Vorhaben, zu dem jemand auch nein sagen kann. Habe erstmal die rausgelegt, bei denen ich mir sicher bin, dass niemand bloßgestellt wird. Sind deutlich weniger als hundert. Dann wird das Heft eben dünner, falls es überhaupt eins wird.
Emotion
Der Junge, der damals die Bude überfallen hat und später hier ausgeholfen hat, kam nach Feierabend vorbei und erzählte von seiner Arbeit in der Spedition. Kein großes Ding, nur Ärger mit einer Lieferung und einem Kollegen. Ich war richtig froh, dass er mir so einen gewöhnlichen Mist erzählt, statt dass jedes Gespräch zwischen uns von früher handeln muss. Dann habe ich ihm doch wieder gesagt, wie gut er sich gemacht hat, und gleich gemerkt, wie väterlich das klang. Er hat gegrinst und meinte, ich solle ihm lieber ein Wasser geben. Habe ich gemacht. Musste nachher noch lachen, aber ein bisschen gerührt war ich auch, dat kann ich hier ruhig schreiben.
Body
Beim Einräumen der Getränke habe ich heute konsequent die Karre genommen, auch für die paar Kisten, die man sonst eben auf dem Arm trägt. Eben ist nämlich immer das Wort vor dem Ziehen im Rücken. Hat länger gedauert, jedenfalls kam es mir so vor, aber nachher konnte ich mich am Tresen noch ordentlich drehen, ohne den ganzen Oberkörper mitzunehmen. Meine Frau fand das nicht besonders heldenhaft, sondern selbstverständlich. Recht hat sie ja. Abends auf der Bank waren die Beine trotzdem schwer vom Stehen. Bin noch kurz hoch in die Wohnung und habe vergessen, was ich holen wollte, aber nochmal runter für die Lesebrille war mir dann zu viel Betrieb.