Body
In der Kunsthalle habe ich dauernd die Brille gewechselt, für das Bild einen Schritt zurück, für den kleinen Text wieder näher, und irgendwann war ich vor allem mit meiner Nase beschäftigt, auf der beide Gestelle drückten. Ich habe mich auf die Bank gesetzt und das Schild vorläufig aufgegeben. So konnte ich den ganzen Raum sehen, ohne etwas entziffern zu müssen, und merkte erst, wie fest ich den Nacken gehalten hatte. Meine Schultern sanken ziemlich unspektakulär nach unten. Auf dem Heimweg war der Fahrtwind angenehm auf der Stirn, an der Steigung wurden die Beine warm, und das alles brauchte keine Beschriftung. Die richtige Brille hatte ich immerhin auf.
Emotion
Mein Vater hat mir im Altersheim wieder dieselbe Strecke beschrieben, und heute war ich nicht geduldig, sondern innerlich schon beim Rückweg und beim Zug, den ich erreichen wollte. Das beschämt mich ein wenig, weil er so zufrieden war, jemanden zum Zuhören zu haben. Als er bei einem Bahnhof plötzlich stockte und mich nach dem Namen fragte, erschrak ich unverhältnismässig stark; ich wusste ihn doch selber nicht. Wir haben ihn schliesslich gemeinsam gefunden. Auf dem Heimweg war ich traurig und auch müde von meiner eigenen Forderung, jede Besuchsminute als kostbar empfinden zu müssen. Manchmal möchte ich meinen Vater einfach besuchen, ohne gleichzeitig Abschied zu üben.
Mind
Im Arabischkurs bin ich an einer Wendung hängen geblieben, die ich Wort für Wort verstanden habe und als Ganzes trotzdem nicht recht gebrauchen konnte. Meine Kollegin gab mir zwei Alltagssituationen dazu, viel hilfreicher als die weitere Erklärung, die ich schon im Wörterbuch suchte. Ich sammle gern Bedeutungen, aber beim Sprechen muss ich entscheiden, welche davon ich jetzt wirklich meine. Vielleicht deshalb lese ich so viel lieber, dort kann ich eine Unklarheit mit einem Bleistiftstrich versehen und weiterlesen. Morgen will ich ihr den kleinen Satz noch einmal sagen, ohne vorher eine halbe Vorlesung über meine Zweifel zu halten. Das wird der schwierigere Teil.