Body
Um fünf auf dem Marktplatz waren meine Finger so kalt, dass ich den Schlüssel zweimal fallen ließ, und eine Stunde später stand ich in der Bäckerei mit warmen Wangen und kalten Füßen, eine etwas unentschlossene Körpertemperatur. Ich merke das Stehen weniger, solange Kunden kommen; erst beim Sitzen in der Pause werden die Beine schwer. Heute habe ich nicht gleich gelesen, sondern den Kopf gegen die Wand gelehnt und die Augen zugemacht, bis ich den Ofen und die Stimmen nur noch als Geräusch gehört habe. Zehn Minuten, vielleicht weniger. Im Bus war ich dann richtig hungrig und habe mein Brot ausgepackt, bevor ich überhaupt mein Buch gefunden hatte.
Emotion
Der Junge, mit dem ich bis zum Abiball zusammen war, hat gefragt, was ich gerade lese. Eine kleine Frage, keine Liebeserklärung, trotzdem habe ich seine Nachricht zweimal angehört und mich sofort weniger allein gefühlt, was mich ärgert, weil ich doch behauptet hatte, dass die Trennung für uns beide richtig war. Das kann ja trotzdem stimmen. Ich vermisse nicht jedes Wochenende mit ihm, aber dieses selbstverständliche Interesse an meinen seltsamen Gedanken schon. Habe eine Antwort aufgenommen, viel zu lang, dann gelöscht. Jetzt liegt das Handy neben mir und ich hoffe, dass er noch etwas schreibt, obwohl ich ihm nicht geantwortet habe. Sehr vernünftiges Verhalten.
Mind
Für mein Radio-Ding über den Landmaschinenhändler habe ich heute nur Geräusche aufgenommen, ein Tor, seine Schritte, das Klappern von irgendetwas im Regal. Beim Anhören klingt der Laden ganz anders als beim Dastehen, fast leer, obwohl dauernd jemand redet. Ich hatte gedacht, ich müsste eine besonders gute Frage finden, damit die Aufnahme interessant wird, aber vielleicht höre ich vor lauter Fragen überhaupt nicht zu. Dann wieder: Ein quietschendes Tor ist noch kein Beitrag, auch wenn ich es zehnmal abspiele und bedeutungsvoll gucke. Mein Vater hat gefragt, ob das Geräusch wirklich in die Aufnahme müsse oder ob er einfach das Scharnier ölen soll.