Body
Heute Morgen war das Schlafzimmer noch angenehm warm unter der Decke, während die Dielen meine Füße sofort eines Besseren belehrten. Ich stand einen Moment neben dem Bett und suchte mit den Zehen die Hausschuhe, statt wie sonst schon über die erste Unterrichtsstunde nachzudenken. Nach dem Anziehen ging es, aber beim Frühstück hielt ich die Schultern immer noch hoch, obwohl der Ofen inzwischen Wärme abgab. Habe mich näher drangesetzt und den Tee langsam getrunken. Auf dem Weg zum Auto war ich dann richtig wach, die kalte Luft im Gesicht und der Atem sichtbar. Das Haus morgens in Gang zu bringen fühlt sich manchmal länger an als die Fahrt zur Schule.
Mind
Für die Geschichtswerkstatt habe ich zwei Leute aus dem Dorf dieselbe alte Aufnahme beschreiben lassen und völlig verschiedene Geschichten bekommen. Einer wusste sofort, wem das Fahrzeug gehörte, die andere erinnerte sich daran, wer an dem Tag nicht mit aufs Bild wollte. Ich hatte nach dem Datum gefragt. Jetzt überlege ich, wie ich die Achte daran arbeiten lasse, ohne die Erwachsenen bloss als Lieferanten für meine Unterrichtsidee zu behandeln. Die Unterschiede sind interessanter als ein sauberer Steckbrief. Vielleicht sollen die Schüler erst eigene Fragen zur Aufnahme sammeln. Ich muss nur aufpassen, dass ich ihnen nicht schon vor dem ersten Gespräch erkläre, was sie entdecken werden.
Emotion
Meine Freundin fragte, ob ich beim nächsten Hamburg-Wochenende nicht schon früher kommen könne, weil sie mit mir etwas unternehmen möchte, nicht erst am Samstagabend zwischen zwei verabredeten Dingen. Ich habe mich zuerst gefreut, dann sofort den Feuerwehrtermin erklärt, dann war sie still. Seitdem bin ich angefasst, als hätte sie mir das Dorf schlechtgeredet, dabei hat sie nach Zeit mit mir gefragt. Ich möchte an beiden Orten dazugehören und werde beleidigt, sobald jemand merkt, dass ich nicht gleichzeitig da sein kann. Heute fehlt sie mir. Nicht Hamburg, nicht irgendeine Perspektive für uns, einfach sie auf dem anderen Ende des Sofas. Dat ist die ganze Lage.