Player galleykaffee
Mind
Für die Bahnreise mit meiner Tochter habe ich zwei Verbindungen ausgedruckt, weil ich auf dem Handy dauernd zurückblättern muss und dann den ersten Umstieg vergesse. Zwölf Minuten wären mir zu knapp, auch wenn der Bahnhof angeblich übersichtlich ist. Ich habe lange genug Leute mit knapp gerechneten Anschlüssen gesehen. Die spätere Verbindung kostet mehr, dafür kommen wir ohne diesen Wettlauf an, und vom Bahnhof zum Hotel könnten wir laufen. Meine Tochter sagt, wir entscheiden das vor Ort. Gut, aber die Entfernung möchte ich trotzdem wissen. Auf der Karte liegt das Hotel hinter einem Park; ob der abends offen bleibt, steht nirgends. Solche Kleinigkeiten fehlen immer in den schönen Beschreibungen.
Body
Im Schwimmbad war die langsame Bahn heute wirklich langsam, und ich merkte nach wenigen Metern, dass mir das ganz recht war. Kein Überholen, keine kalten Füße an meinen Zehen. Ich konnte die Arme weit nach vorn nehmen, ohne gleich nach Luft schnappen zu müssen, und irgendwann hörte ich auf, die Bahnen zu zählen. An Land fühle ich mich zurzeit ein wenig steif, besonders wenn ich länger gesessen habe. Im Wasser war davon wenig übrig. Erst beim Aussteigen musste ich mich am Geländer ordentlich abstützen. Die Finger wollten den nassen Griff nicht sofort festhalten. Danach saß ich ungewöhnlich lange unter der Dusche, obwohl ich sonst über die Leute schimpfe, die dort einen ganzen Vormittag verbringen.
Emotion
Das Treffen mit den ehemaligen Kolleginnen fiel aus, eine krank, eine beim Enkel. Ich sagte am Telefon, dann hätten wir eben alle einen freien Nachmittag. Stimmte auch, nur hatte ich mich schon angezogen und die Ohrringe herausgelegt. In der Wohnung war es plötzlich ausgesprochen still. Ich wollte meine Tochter anrufen, fand aber keinen vernünftigen Anlass und ließ es. Als ob man für einen Anruf einen Dienstauftrag bräuchte. Später bin ich allein ins Café gegangen und habe mich über den viel zu dünnen Kaffee geärgert. Das war wenigstens ein vertrautes Gefühl. Die Ohrringe hatte ich angelassen. Ganz umsonst wollte ich mich nun auch nicht fertig gemacht haben.